Sommer-Camp im Zen-Zentrum Schönböken
Jedes Jahr finden von Mitte Juli bis Mitte August im Zen-Zentrum der Zen-Vereinigung Deutschland in Schönböken drei Sommer-Camps als Teil des Ango (安居) statt. Ein Ango ist einer Zeitraum intensiver Praxis, der typischerweise 90 Tage andauert. Anders, als bei einem Sesshin liegt der Fokus dabei nicht nur auf dem Zazen, sondern auch auf Samu, Zeremonien und dem Klosteralltag im Allgemeinen. Die Sommer-Camps der Zen-Vereinigung erstrecken sich dabei jeweils über 10 Tage und im dritten Sommer-Camp findet dabei üblicherweise auch die Ordinationszeremonie statt. Die nachfolgenden Zeilen geben einen Einblick in den Ablauf dieser Sommer-Camps, der Ordinationszeremonie und meinem ganz persönlichen Blick darauf.
Ango
Blick auf das Haupthaus von der großen Wiese aus.
Der Begriff Ango (安居) ist Sino-Japanisch, also die japanische Aussprache eines chinesischen Begriffs. Ins Deutsche übersetzt bedeutet es so viel wie "in Frieden Leben" oder "in Frieden verweilen" und beschreibt den Rückzug in das klösterliche Leben für einen längeren Zeitraum. Zurückzuführen ist dieser Ablauf auf die Zeit von Shakyamuni Buddha. Damals zog man sich während der Regenzeit zurück.
Der Ablauf eines Ango unterscheidet sich sehr von einem Sesshin. Während eines Sesshin richtet sich die Struktur des Tages nach der Zazen-Praxis. Um sich einige Tage intensiv der Zazen-Praxis widmen zu können, werden alle anderen Tätigkeiten heruntergefahren und auf das notwendigste reduziert. So wird z.B. die Arbeit in der Küche und beim Putzen über dem Jäten von Unkraut priorisiert. Das Unkraut wächst aber weiter, irgendwann muss das Holzlager wieder aufgefüllt werden und neben Zazen gibt es noch weitere Aspekte der Zen-Praxis. Genau um diese Tätigkeiten des Klosteralltags dreht sich das Ango.
Während des Ango finden die drei Sommer-Camps im Zen-Zentrum statt. Diese werden jeweils in zwei Abschnitte aufgeteilt: die ersten fünf Tage sind die Vorbereitungszeit, nach einem freien Tag (Hosan genannt) folgt ein dreitägiger Sesshin. Traditionell findet am letzten Tag der Vorbereitungszeit des dritten Camps die Ordinationszeremonie (Tokudo) statt. Es gibt die Möglichkeit am gesamten Camp teilzunehmen, nur an der Vorbereitungszeit oder auch nur am Sesshin.
Die Vorbereitungszeit
Fünf Schläge auf die Taiko (eine große japanische Trommel), zwei Schläge auf die Glocke und anschließendem Getrampel und Gebimmel einer Handglocke in den Fluren: damit wird man um 5:30 Uhr geweckt. Die fünf Schläge repräsentieren dabei die Stunde und die Schläge auf die Glocke die begonnenen 20 Minuten der aktuellen Stunde. Wer davon noch nicht wach wurde sollte entweder durch einen selbst gestellten Wecker wach werden oder wird von Zimmergenossen angestupst. Einmal wach hat man genügend Zeit sich im Waschraum fertig zu machen; trödeln sollte man dabei aber auch nicht, schließlich beginnt um 6:15 Uhr das Morgenzazen mit anschließender Zeremonie. Wer im Haupthaus sein Zimmer hat sollte sich daher besser spätestens um 6:05 Uhr, wenn das Holz zur Öffnung des Dojo geschlagen wird, auf den Weg zum Dojo ins Torhaus machen. Alle, die im Torhaus schlafen haben dagegen einen kleinen Zeitvorteil.
Wie üblich, betritt Ludger als Letzter das Dojo, wenn soweit alle bereits sitzen. Am Morgen geht er die Reihen der Sitzenden entlang und macht Gassho an jeder Ecke. Die Sitzenden erwidern das Gassho, wenn er an ihnen vorbei läuft. Das Zazen geht begleitet von Trommel, Metall, Glocke und Holz in die Morgenzeremonie über, in welcher neben dem Herz-Sutra auch noch weitere Texte rezitiert werden. Auf dem Weg zurück ins Haupthaus, um in der Küche das Küchen-Sutra (Shosaimyo kichijo darani) zu rezitieren, wird noch an den Gedenksteinen und Stelen Räucherwerk dargebracht und sich verbeugt. Da die Küche aber nicht sonderlich groß ist, gehen einige bereits los, um ihre Essensschalen zu holen.
Kurz darauf wird auch schon das Metall geschlagen und die Handwägen mit den Töpfen voller Guenmai (ein pikanter Reisbrei), eingelegtem Gemüse und Gomasio (ein Sesam-Salz) sind auf dem Weg ins Dojo. Traditionell wird das Frühstück mit Oryoki (der Essenszeremonie mit Schalen) im Dojo eingenommen. Sollte es aber für einem besser sein, mal eine Pause vom Sitzen auf dem Zafu zu haben, dann kann man stattdessen in der Cafeteria essen — dort natürlich auch zeremoniell mit Oryoki.
Nach dem Frühstück gibt es erst einmal eine kleine Pause, bevor es mit dem ersten Samu (Arbeit in Gemeinschaft für die Gemeinschaft) des Tages weitergeht. Wer noch für keinen Bereich eingeteilt wurde, findet sich am ersten Tag auf der Treppe vor dem Haupthaus ein. Der Beginn und das Ende einer Samu-Periode wird immer durch das Schlagen auf die Taiko signalisiert.
Nach dem Samu ist vor dem Zazen. Mittags findet das zweite Zazen eines jeden Tages der Vorbereitungszeit statt. Im Anschluss gibt es eine kurze Pause, es sei denn man ist im Samu dem Service oder der Küche zugeteilt. Dann hat man jetzt nochmal einiges zu tun, um das Essen im Kaminsaal vorzubereiten. Wie auch das Frühstück, wie das Mittagessen mit den Oryoki gegessen. Anders als beim Frühstück gibt es aber nur einer verkürzte Zeremonie. Es wird nicht das Gyohatsu nenju, sondern lediglich der kleine Mahlzeiten-Vers (Shoku zen no ge) vor dem Essen rezitiert.
In der Mittagspause hat man dann nochmal etwas Zeit für sich. Viele nutzen die Ruhe, um sich nochmal hinzulegen. Andere setzen sich im Garten oder der Cafeteria zusammen, machen einen Spaziergang oder schnappen sich eines der Fahrräder und drehen eine Runde. Wer gerade an seinem Rakusu oder Kesa näht, hat auch die Möglichkeit sich in die Nähstube zu setzen und daran weiterzuarbeiten.
Der Nachmittag ist in erster Linie dem Samu gewidmet und so werden die Arbeiten, wie am Vormittag auch, weitergeführt. Zusätzlich bietet die Zeit des Samu am Nachmittag noch die Möglichkeit sich in die diversen Dienste rund um das Dojo und die Praxis einweisen zu lassen. Für mich gab es beispielsweise an einem Tag eine Einweisung in die Taiko und den Weckdienst, da ich diese Aufgabe während der folgenden Sesshin-Tage zwei mal übernehmen sollte. An einem anderen Tag habe ich mich nochmal kurz an das große Dojo Mokugyo gesetzt, bevor ich am Abend damit das Hannya Shingyo begleiten sollte.
Nach dem Samu am Nachmittag gibt es erst noch eine Pause, bevor das Abendessen ansteht. Diese Pause kann gut genutzt werden, um mal in Ruhe zu duschen oder einfach um gemütlich zusammen zu sitzen. Das Abendessen wird dann nicht mehr aus den Schalen gegessen, sondern noch etwas weniger formell als das Mittagessen. Der kleine Mahlzeiten-Vers wird davor aber natürlich rezitiert.
Um 20:15 Uhr sitzen dann wieder alle im Dojo, das dritte und letzte Zazen des Tages steht an. Zu dessen Abschluss wird noch gemeinsam das Hannya Shingyo rezitiert, bevor um 22:30 Uhr das Signal zur Nachtruhe gegeben wird.
Dieser Ablauf gilt für alle Tage der Vorbereitungszeit, mit Ausnahme des Tages der Ordinationszeremonie.
Samu — Arbeit in Gemeinschaft, für die Gemeinschaft
Samu, das Arbeiten, ist genauso Teil der Zen Praxis, wie auch Zazen, Kinhin oder das Rezitieren. Daher liegt ein Teil der Übung auch darin, sich der Arbeit voll und ganz den Tätigkeiten zu widmen und sie achtsam, angemessen und so gut es geht durchzuführen. Häufig übersetzt bzw. umschrieben wird der Begriff Samu (作務) daher mit meditatives Arbeiten. Klischeehaft mag man sich dann ein besonders ruhiges und von Gemächlichkeit und tiefer Versenkung geprägtes Arbeiten vorstellen. Die Realität ist dann häufig aber doch etwas anderes.
Bereits in einer kleinen Familie von drei bis fünf Menschen fällt über den Tag schon einiges an notwendigen Erledigungen an. Für eine große Praxis-Gemeinschaft von 40-80 (oder mehr) Personen ist das noch einmal einiges mehr. Hinzu kommt noch die Pflege des Geländes und notwendige Arbeiten zum Erhalt der Gebäude und Räume.
Eigentlich keine der Arbeiten ist etwas, das man alleine nur für sich und ohne Interaktion mit anderen macht. Immer hat man mit anderen zu tun, und wenn es einfach nur bedeutet beim Fegen der Flure aufzupassen nicht im Weg zu stehen und anderen schnell Platz zu machen, ohne sie durch den zusammengekehrten Haufen laufen zu lassen.
Blick in den Moosgarten.
Die Zeiten, zu welchen gegessen wird stehen auf dem Plan und viel Spielraum für Verzögerungen ist nicht vorhanden. So müssen Küche und Service schnell reagieren. Fehlen mal Zutaten, oder braucht ein Gericht doch länger als erwartet muss auch mal improvisiert werden. Der Service muss dann schnell reagieren, um nicht noch mehr Verzögerung zu verursachen. In den Spülküchen kommen Geschirr und Töpfe schlagartig nach den Mahlzeiten an und vieles davon wird kurz darauf auch schon wieder benötigt.
Im Garten oder beim Putzen gibt es viel zu tun. Während eines Sesshin wird nur das notwendigste gemacht. Im Garten das Holz zum Brennkessel transportiert bzw. die Toiletten und Waschräume geputzt. Vieles bleibt daher liegen und während der Studienwochen oder der Vorbereitungszeit in den Sommer-Camps gibt es daher Nachholbedarf. Räume putzen, Spinnweben entfernen, Staubwischen; Unkraut im Moosgarten jäten, Jungbäumen platz verschaffen, den Gemüsegarten pflegen.
Von den meisten Arbeiten während des Samu hat man selbst, ganz direkt, gar nicht so viel — wenn man es engstirnig betrachtet. Der / die Tenzo (Koch) könnte ja einfach nur für sich selbst kochen, anstatt für alle. Das frisch gestapelte Holz wird wahrscheinlich erst in zwei Jahren ausreichend trocken sein und das Putzen ginge schneller, wenn man nur seine eigene Toilette sauber machen müsste. Die Gemeinschaft aber funktioniert nur, wenn jeder und jede mit anpackt und sich nicht nur um die eigenen Belange kümmert. Und damit bietet die Arbeit in Gemeinschaft und für die Gemeinschaft einen weiteren Raum zur gemeinsamen Praxis. Dogen hat in den Anweisungen an den Koch von den drei Herz-Geisteshaltungen gesprochen und diese gelten nicht nur für die Küche:
Das freudige Herz, welches mit Freude und wohlwollen der Gemeinschaft dient.
Das elterliche Herz, welches sich wie Eltern um die drei Juwelen (Buddha, Dharma und Sangha) kümmert und diese mit einer elterlichen Fürsorge und Hingabe pflegt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.
Das große Herz, welches die Dinge offen, wertschätzend und gleichmütig annimmt.
Diese drei Herz-Geisteshaltungen bilden einen wichtigen Kern des Samu: Praxis in Gemeinschaft, für die Gemeinschaft.
Tag der Ordination
Wie wichtig die Gemeinschaft in der Zen Praxis ist merkt man immer wieder, aber gerade bei der Ordinationszeremonie wird es noch einmal besonders hervorgehoben. Ludger sagte dazu in einem Kusen mal:
„Während dieses Sesshin werden einige von Euch die Ordination oder Weihe erhalten als Mönch, Nonne, Bodhisattva. Die Zeremonie dieser Ordination oder Weihe spiegelt die wesentlichen Aspekte unserer Praxis wider und fasst sie wie in einem Brennpunkt zusammen und verankert sie tief in Körper und Geist.
Mönch, Nonne, Bodhisattva im Sinne des Zen-Weges bedeutet, unserem Leben Richtung und Ziel zu geben auf der Grundlage des Vertrauens in den Weg und des lebendigen Weg-Geistes. Ziel bedeutet dabei, dass die Praxis selbst unser Ziel ist, die Praxis des Jetzt, die Praxis dieses Tages, die Praxis dieses Sesshin, die Praxis dieses Lebens.“
Der Tag startet wie üblich, aber bereits der Vormittag ist in erster Linie dem Samu gewidmet. Neben den üblichen Aufgaben gibt es viel vorzubereiten für die Ordinationszeremonie am Nachmittag. Für die zu ordinierenden Personen geht es nach der Mittagspause in die Vorbereitung für die Zeremonie. Noch einmal den Ablauf durchsprechen, sich waschen und ggf. auch schon, bis auf eine kleine Stelle, den Kopf rasieren. Für alle anderen finden sich noch genügend Aufgaben. Das Dojo wird etwas umgeräumt, das große, feierliche Essen am Abend wird bereits vorbereitet, die Sitzplätze im Garten, die Feuerstelle und vieles mehr.
An dieser Stelle noch ein kleiner Hinweis. In vielen Gemeinschaften wird zwischen der Jukai-Zeremonie, der Annahme der Gebote und der Zufluchtnahme zu den drei Juwelen, und der Tokudo-Zeremonie unterschieden. Erstere wird auch "Bodhisattva-Ordination" und letztere "Mönchs-/Nonnen-Ordination" genannt. Im Zen-Zentrum Schönböken findet beides in einer gemeinsamen Zeremonie statt.
Für die Zeremonie versammelt sich die Gemeinschaft im Dojo. Die angehenden Nonnen, Mönchen und Bodhisattvas stehen in der Mitte, wobei die zukünftigen Mönche und Nonnen lediglich den weißen Unterkimono tragen. Die Zeremonie besteht aus mehreren Abschnitten, in welchen die Anwärter nach und nach in die Gemeinschaft aufgenommen werden. Das ist aber kein alleiniger Akt zwischen den zu Ordinierenden und dem Lehrer, sondern die gesamte Sangha ist involviert.
Mönch, Nonne und Bodhisattva bekommen in der Zeremonie einen Weg-Namen (Anmyo, friedvoller Name), der über das soziale, alltägliche Leben hinaus geht. Es werden gemeinsam der Reuevers (Sangemon), der Vers der Zuflluchtname (Sankikaimon) rezitiert und die Kai (häufig, wenn auch nicht ganz passen, als Gebote übersetzt) angenommen. Es werden Kolomo an angehende Mönchen / Nonnen übergeben und natürlich die Rakusu und Kesa. Ausserdem bekommen alle noch ein Ketsumyaku, ein Dokument mit der Dharma-Linie bis zurück zu Shakyamuni Buddha. Mönche und Nonnen bekommen zum Schluss dann auch noch ihre Essschalen. Zwischen den einzelnen Schritten werden immer wieder Verbeugungen und Niederwerfungen gemacht.
Besonders schön finde ich, dass man sich als Ordinierender nicht selbst die letzte Haarsträhne abschneidet / abrasiert und auch nicht selbst Kolomo bzw. Rakusu und Kesa anzieht. Für diese Dinge stehen ältere Mönche und Nonnen auf und nehmen die Scheere in die Hand bzw. kleiden die Ordinierenden ein. Es ist ein wunderschönes und berührendes Symbol für die Aufnahme in die Gemeinschaft. Wenn man das erste mal in die Gemeinschaft kommt wird man offen und herzlich empfangen. Man lernt von den Älteren und wird gleichzeitig in der Selbstständigkeit des eigenen Weges unterstützt. Über die Zeit hinweg lernt man sich besser kennen und praktiziert zusammen. Man geht gemeinsam durch leichte und schwere Situationen. Vielleicht mag es auch mal unterschiedliche Meinungen geben, aber am Ende ist es eine gemeinsame Praxis. Dieser gemeinsamen Praxis widmen sich fortan weitere Mönche, Nonnen und Bodhisattvas, offen und herzlich von den Älteren aufgenommen.
Zum Schluss machen alle gemeinsam Sampai (drei Niederwerfungen).
Nach der Ordinationszeremonie werden noch Fotos gemacht und es wird gemeinsam angestoßen. In einer kleineren, lockeren Runde können die frisch Ordinierten und Interessierte noch Fragen zur Ordination und den Weg stellen. Währenddessen laufen draußen und in der Küche die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren.
Feier am Abend nach der Ordinationszeremonie.
Pünktlich zur diesjährigen Sonnenfinsternis hatten sich dann alle im Garten zur Feier und dem Festessen an den Tischen versammelt. Die neuen Mönche, Nonnen und Bodhisattva sitzen neben Ludger mit am Shusso-Tisch. Durch den Mond, der sich vor die Sonne schiebt, wird das Essen und die Feier bei Dämmerlicht eröffnet, bevor es tatsächlich noch einmal heller wird. Im Laufe des Essens wird das Lagerfeuer entfacht, die Gespräche nehmen zu und es wird ausgelassen der Anlass und der schöne Tag gefeiert und genossen. Die Nachruhe ab 22:30 Uhr gilt an diesem Tag natürlich nicht; lediglich aber um etwas mehr Ruhe nach Mitternacht wird gebeten.
Hosan — der freie Tag
Der Tag nach der Vorbereitungszeit, vor dem Sesshin ist traditionell ein freier Tag. Statt bereits um 5:30 Uhr aufzustehen gibt es um 09:00 Uhr ein lockeres Frühstück im Kaminsaal. Für alle, die nur an der Vorbereitungszeit teilnehmen, ist dies auch gleichzeitig der Tag der Abreise. Wer nur zum Sesshin da ist kommt am späten Nachmittag. Für die meisten Anderen gibt es kein weiteres Programm ausser dem Abendessen. Allerdings müssen sich trotzdem einige finden, die noch den Abwasch des Frühstücks übernehmen und für das Abendessen muss natürlich auch gekocht und alles vorbereitet werden. Viele nutzen den Tag für Ausflüge an die umliegenden Seen, den Besuch eines Cafès, Wanderungen oder Radtouren.
Sesshin
Nach dem freien Tag folgt der Sesshin. Er umfasst zwei volle und einen halben Tag. Anders als in der Vorbereitungszeit liegt der Fokus nun auf Zazen und das Samu wird auf das notwendigste zurückgeschraubt. So gibt es dann am ersten Tag 9 Zazen-Perioden über den Tag verteilt, am zweiten 8 und am dritten noch 4. Am Nachmittag des zweiten Sesshin-Tages findet eine Zazen-Perdiode weniger statt, um Raum für ein Mondo zu schaffen. Damit gibt es Möglichkeit Fragen zur Praxis and Ludger zu stellen.
Zum Mittags-Zazen am Dritten gab es dieses mal eine etwas größere Zeremonie, da Mitte August die Zeit des O-Bon (Gedenken an Verstorbene Vorfahren) ist und daher dafür Zeremonie mitgemacht wurde. Mit einem Abschlussessen und anschließendem Aufräum-Samu endet dann der Sesshin und damit auch das Sommer-Camp.
Rückblick und Ausblick
Es gibt noch so viel mehr, das man mit in diesen Beitrag packen könnte, wie z.B. die Gedenkzeremonien an zwei Abenden für einen kürzlich verstorbenen Mönch. Dieser Text ist aber bereits jetzt schon länger geworden, als ich es zu Beginn des Schreibens beabsichtigt hatte.
Nachdem ich schon seit einigen Jahren regelmäßig nach Schönböken zu Sesshins fahre, und sich meine Gewissheit, dass die Zen-Praxis für mich der richtige Weg ist, weiter gefestigt hat, habe ich letztes Jahr darum gebeten als Mönch zu ordinieren. Daher war dieses Sommer-Camp für mich eine gute Möglichkeit den Ablauf der Ordinationszeremonie und des Sommer-Camps kennenzulernen, denn bisher hatte ich es immer nur zu Studienwochen und den Sesshins geschafft. Für mich persönlich war es wieder eine schöne Zeit der Praxis in Schönböken. Ich durfte neue Leute Kennenlernen, es hat mich gefreut bekannte Gesichter wieder zu sehen und zu hören wie es den anderen in der Zwischenzeit ergangen ist.
Das Sommer-Camp kann ich sehr empfehlen. Gerade, wenn man sich vielleicht nicht an einen Sesshin herantraut, könnte die Vorbereitungszeit des Sommer-Camps, wie auch die Studienwoche eine gute Möglichkeit sein, um in die Praxis im Zen-Zentrum einzutauchen. Gerade, wenn man sich noch unsicher ist, ob man schon einen Sesshin durchhält ist es aber auch hilfreich im Kopf zu behalten: ist Zazen gerade mal zu viel, kann man sich ohne Probleme mal heraus nehmen und das Zazen mal nicht mit machen.
Für mich geht es voraussichtlich im Oktober/November wieder nach Schönböken, zu einem der Herbstsesshins. Ich freue mich schon darauf wieder zurück zu kommen und auch schon auf meine eigene Ordination in einem Jahr.
k.w.